Herz und Psyche: Psychokardiologie

Das Fachgebiet der Psychokardiologie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Herz und Psyche. Die komplexe Physiologie des Herzens und die menschliche Gefühlswelt beeinflussen sich gegenseitig: Stress, Ängste oder belastende Lebenssituationen können sich direkt auf Herz und Kreislauf auswirken. Umgekehrt können Herzprobleme, wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, seelische Belastungen ungünstig verstärken. Im Behandlungskonzept der NEXUS-Klinik werden daher beide Ebenen gemeinsam betrachtet – körperlich und psychisch. 

Ziel des spezifischen psychokardiologischen NEXUS-Behandlungskonzeptes ist es, Patient:innen dabei zu helfen und zu unterstützen, sowohl ihr Herz zu schützen als auch ihre psychische Gesundheit zu stärken. Dabei wird die in der Klinik vorhandene Fachkompetenz im indizierten Bedarfsfall durch externe Kooperationspartnern in Fachbereichen wie Innere Medizin, Kardiologie und Herzchirurgie ergänzt.

  • Patient:innen mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder nach einem Herzinfarkt, die zusätzlich unter Stress, Ängsten oder depressiven Verstimmungen leiden.

  • Patient:innen nach herzchirurgischen Eingriffen, wie einer Bypass-Operation, Herzklappenoperation oder Aortenchirurgie, die Unterstützung bei der Verarbeitung der Erkrankung und des Eingriffs benötigen.

  • Patient:innen, die Schwierigkeiten haben, nach einem schweren Herzereignis wieder Vertrauen in ihren Körper zu gewinnen und in ihren Alltag zurückzufinden.

  • Menschen, die nach einer intensivmedizinischen Behandlung oder Operation belastende Erinnerungen, Verunsicherung oder Symptome einer posttraumatischen Belastungsreaktion entwickeln.

  • Menschen, die unter chronischem Stress oder Burnout stehen und dadurch Herzprobleme entwickeln oder verschlimmern. 

  • Patient:innen mit Herzbeschwerden ohne eindeutige organische Ursache, wie z. B. wiederkehrende Brustschmerzen oder Herzrasen. 

  • Menschen, die ihr Herzrisiko senken wollen, indem sie Stress, Lebensstilfaktoren und psychische Belastungen gezielt behandeln. 


Beispiele

„Nach seiner Herzklappenoperation vermeidet der 63-jährige Herr M. körperliche Aktivität aus Angst, sein Herz zu überlasten. In der psychokardiologischen Behandlung lernt er, seine Ängste besser einzuordnen, Vertrauen in die Belastbarkeit seines Körpers zurückzugewinnen und Schritt für Schritt wieder aktiv am Leben teilzunehmen.“

„Frau S., 52-jährig, leidet unter häufigem Herzrasen bei Stress im Beruf. Gleichzeitig lebt sie in Trennung und die Kinder verlassen ausbildungsbedingt das Haus, was ihr „…das Herz bricht…“. In der Psychokardiologie lernt sie, die schwierige Lebenssituation und darauffolgende Angstreaktionen früh zu erkennen und mit Entspannungstechniken effektiv gegenzusteuern“. 

„Der 54-jährige Herr K. hat nach Herzinfarkt starke Sorgen um seine Gesundheit und Schlafstörungen entwickelt, ferner verlässt er kaum noch das Haus aus Angst vor einem neuen Herzinfarktgeschehen. In den letzten Wochen erlitt er zahlreiche Panikattacken mit in der Folge notfallärztlichen Einsätzen. Durch die psychokardiologische Betreuung wird er beim Abbau von Ängsten unterstützt und beim sicheren Wiedereinstieg in den beruflichen und privaten Alltag begleitet“.

In der NEXUS-Klinik werden - nach sorgfältiger Einzelfallanalye - sinnvolle und effektive Therapiemaßnahmen aus der Fachrichtung der Psychokardiologie angewandt. Dabei entscheiden Chefärzte für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie, Internisten und Herzspezialisten, Psychologen und Spezialtherapeuten gemeinsam mit den uns anvertrauten Patient:innen über das therapeutische Vorgehen. Die Begegnung bleibt immer auf Augenhöhe mit dem Ziel, unsere Patient:innen körperlich, seelisch und geistig zu stärken. Ein selbstbestimmtes und gesundes Leben gestalten zu können ist unsere Herzensangelegenheit. Unser modulares Behandlungskonzept mit aufeinander abgestimmten Therapieverfahren orientiert sich am hohen Standard moderner kognitiv-verhaltenstherapeutischer und tiefenpsychologisch fundierter Methoden. Die Therapie wird ergänzt durch Bio- und Neurofeedbackverfahren, Lichttherapie, sport-, physio-, bewegungs-, körper-, entspannungsfördernde, musik-, ergo-, kreativ- und kunsttherapeutische sowie tiergestützte Maßnahmen.
 

 

Therapiebaustein

 

Ziel / Beschreibung

Ärztliche Diagnostik

 

Somatische Abklärung von Herz- und Kreislauferkrankungen unter Berücksichtigung der Vorgeschichte, Sichtung aller Erkenntnisquellen

Psychotherapeutische Einzelgespräche

Bearbeitung von Ängsten, Stress, Depressionen oder Traumata, die das Herz belasten; Entwicklung von Bewältigungsstrategien.

Psychotherapeutische Gruppentherapie

Austausch mit anderen Betroffenen, Erlernen von Stressmanagement, Unterstützung bei Verhaltensänderungen.

Entspannungsverfahren

Progressive Muskelentspannung, Atemtherapie, Autogenes Training, Meditation zur Reduktion von Herzbelastung durch Stress.

Körperliche Aktivierung / kardiologische Rehabilitation

Leistungsadaptierte Bewegungstherapie, Gehtraining, Herzsport unter medizinischer Aufsicht, um das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren.

Psychoedukation / Unterricht

Aufklärung über Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zusammenhang mit psychischen Faktoren, Stressbewältigung und Risikofaktoren.

Verhaltenstherapeutische Interventionen

Strategien zum Umgang mit Stress, Angst, Panik oder Risikoverhalten wie Rauchen, Bewegungsmangel oder Übergewicht.

Familien- oder Partnergespräche

Einbeziehung des sozialen Umfelds, Verbesserung der Unterstützung und Kommunikation.

Medikamentöse Therapie

Bei Bedarf: Anpassung oder Unterstützung durch Herzmedikamente, Psychopharmaka bei depressiver oder ängstlicher Symptomatik.

Nachsorgeplanung & poststationäres Management

Erstellung eines individuellen Plans für die Zeit nach der Klinik, z. B. ambulante Psychotherapie, Herzsportgruppen, Lebensstilmaßnahmen.